Langenhorst: Theologie und Literatur
1. Wegmarken der theologisch-literarischen Begegnung
Forschungsbereich Theologie und Literatur erst seit den 70er Jahren mit Eigenprofil.
"Konfrontation" (nach Kuschel*) bestimmte über die Jahrhundert das Verhältnis von Theologie und Literatur -> Im Dienst der Wahrheit ist der Wahrheitsanspruch der Künste zurückzuweisen:
Je stärker man die alleinige Heilsfunktion von Gnade, Glaube, Schrift, Offenbarung oder Tradition betone, umso mehr müsse man negieren, dass sich Ansätze dazu auch außerhalb der christl. Tradition (in den Künsten) finden lassen. > Literatur kann somit nur zwei funktionale Bedeutungen im theologischen Diskurs zukommen
a) Kontrastfolie zur schärferen Zeichnung der eigenen theologischen Wahrheit
b) als im Dienste der Kirche stehender Ausdruck des christlichen Lebens.
Kierkegaard dazu "Das Ästhetische liegt in der Relativität, dem Dichter werde so jegliche Form verbindlicher und verantworteter Lebensführung unmöglich gemacht. > Entweder - Oder: Dem Ästhetischen gegenüber steht der ethische Lebensentwurf, der allein ein Leben in Sinn, Wahrheit und Wahrhaftigkeit ermöglicht. "Man muss wählen, entweder das Ästhetische zum Totalgedanken zu machen ... oder das Religiöse." (Kierkegaard).
1. Literaturwissenschaftliche Grundlegungen
durch die Schrift "Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur", 1946 von Erich Auerbach und "Säkularisation als sprachbildende Kraft. Studien zur Dichtung deutscher Pfarrersöhne", 1958, von Albrecht Schöne.
1.1 Auerbachs Mimesis
Kontrast zwischen der homerischen und der biblischen Erzählweise. Entscheidende Leistung der jüdisch-christlichen Wirklichkeitsdeutung nach Auerbach in der Überwindung der antiken Stiltrennung von hohem und niederem Stil, welche realistische Wirklichkeitsabbildungen verunmöglicht. Erst im Kontext des Christentums ließ sich Wirklichkeit literarisch angemessen abbilden. Mit dem Stiltrennungsprinzip der Antike unvereinbar ist die Leidens- und Passionsgeschichte, nach Auerbach: "Dass der König der Könige wie ein gemeiner Verbrecher verhöhnt, bespien, gepeitscht und ans Kreuz geschlagen wurde - diese Erzählung vernichtet ... die Ästhetik der Stiltrennung vollkommen, sie erzeugt einen neuen hohen Stil, der das Alltägliche keineswegs verschmäht, und der das sinnlich Realistische, ja das Hässliche, Unwürdige, körperlich Niedrige in sich aufnimmt". (E. Auerbach, 1959, S. 73f.)
Exzerpt aus dem Buch "Theologie und Literatur. Ein Handbuch. Von Georg Langenhorst" (tbc).
*Kuschel, Karl-Josef: Jesus in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. 1978, München.

